Hundeerziehung ist einfach…

Hundeerziehung ist einfach aber alles andere als simpel“. Dieses Zitat aus dem Buch „Hoffnung auf Freundschaft“ von Inez Meyer und Michael Grewe habe ich mir zu Herzen genommen. Es stimmt! Hundeerziehung ist einfach – wir machen sie nur kompliziert. Wer jetzt denkt Amon kommt wie der Blitz angeschossen wenn ich einmal rufe, täuscht sich ganz gewaltig! Ich war durchaus schon einige Mal am Ende meiner Geduld, Nerven und Kräfte und komme bis heute immer wieder an meine Grenzen. Hundeerziehung ist nämlich vermutlich fast schon zu einfach – man muss eben nur begreifen wie und um was es geht. Leider ist das ganze auch im Bezug auf die Hundeerziehung leichter gesagt als getan…

Hundeerziehung ist einfach…

Ich habe unzählige Bücher gelesen – bereits bevor Amon bei mir war und mich mit allen möglichen Trainingsmethoden beschäftigt, nur um jetzt festzustellen, dass sich da in der Zwischenzeit ein ganz schönes Chaos angesammelt hat. Der eine sagt Dieses, der andere Jenes… Hätte ich mir das ganze Zeug umgangssprachlich mal lieber nicht reingezogen – dann könnte ich das einfache „Sitz“ jetzt nicht so kompliziert überdenken, würde eher richtig handeln und mein Hund – und vor allem ich – wäre nicht so durcheinander von dem ganzen Wirrwarr…

Mittlerweile ist die gute alte Hundeerziehung – wie allseits bekannt sein dürfte – nicht mehr einfach nur Hundeerziehung, sondern schon ein richtig großer Hype – jeder hat die beste und tierliebste Methode und nicht zu vergessen: eine Methode ist komplizierter und leider oft auch dümmer als die andere. Nur eines haben die verschiedenen Trainingsrichtungen gemeinsam: alle sind sie für den Laien absolut gut und einleuchtend erklärt.

Besonders bekannt ist unter Hundehaltern momentan die Klicker und Leckerli – Erziehung. Ich rufe, Hund kommt, klick, Leckerli. Eigentlich ganz einfach, für mich persönlich aber unpassend.

Leckerlies gehen mir nämlich kurz gesagt gegen den Strich.

Man stelle sich vor meine Mama hätte meinen größten Lieblingsschokoriegelvorrat in der Jackentasche: „Vanessa bringst du den Müll nach draussen?“ Ich komme zurück: Schokoriegel. „Deckst du den Tisch?“ – wird von mir erledigt: Schokoriegel. Ich habe gelernt sitzen zu bleiben wenn die anderen noch essen. Also bleibe ich sitzen: Schokoriegel. Ich komme mit zum Auto und steige auf die Aufforderung hin ein: Schokoriegel…

Am Ende des Tages wäre ich garantiert nicht nur dick, sondern auch unglücklich… Nein sagen kann ich zu den Schokoriegeln aber auch nicht – dafür schmecken sie mir einfach zu gut. Aber andauernd am essen und immer am verdauen ist auch nicht das gelbe vom Ei. Zumal ich mir tatsächlich auch immer öfter überlegen würde ob ich die gewünschte Dienstleistung für einen Schokoriegel tatsächlich ausführen soll oder nicht lieber doch meines eigenen Weges gehe und vermeintlich wichtigeres erledige. Was wäre, wenn die Schokoriegel alle aufgegessen sind und leider noch nicht für Nachschub gesorgt werden konnte, brauchen wir uns denke ich nicht lange ausmalen – ich würde mir vermutlich seeeeehr gut überlegen, warum und vor allem für was ich die Aufgabe denn jetzt eigentlich noch erledigen soll…

Für mich ist das mit den Leckerlies ganz einfach erklärt: ich mache einen Deal. Der Hund erledigt eine Aufgabe und bekommt dafür seine „Auszahlung“. Ganz nach dem Motto „ich will, dass du…. und dafür gebe ich dir….“

Ich persönlich habe mich aber schon bevor Amon bei mir eingezogen ist, für die Erziehung ohne Leckerli entschieden. Ich möchte Amon Sicherheit geben – genau so wie meine Mama mir Sicherheit gegeben hat und immer noch gibt.

Mein Ziel ist nämlich eine intakte Beziehung zu Amon und kein Arbeitsvertrag.

Der ein oder andere wird jetzt vermutlich schon völlig entsetzt über meine Einstellung den Kopf schütteln und darf an dieser Stelle gerne aufhören weiterzulesen 😉

Für alle anderen möchte ich an dieser Stelle kurz klar stellen, das ich „Leckerli-Erzieher“ weder verurteile noch für verrückt halte. Für mich selbst passt dieser Erziehungsstil schlicht und einfach nicht.

Als Hundemama – die ihrem Welpen bis heute nicht ein einziges Mal ein Leckerli zugesteckt hat – hat man es unter vermeintlichen „Hundefreunden“ tatsächlich nicht immer leicht. Der arme Hund…denken sich da viele. Und ich frage mich oft warum. Ich lerne täglich neues im Bezug auf die Hundeerziehung und vielleicht kann ich auch im Bezug auf die Leckerlierziehung noch einiges lernen. Bis jetzt konnte ich mich aber absolut nicht damit anfreunden und mein Gefühl sagt mir, dass das in Zukunft auch nicht der Fall sein wird – auch wenn der Weg ohne Leberwurst und co. definitiv nicht der einfachere ist!

Ich habe mir diesbezüglich ganz einfach die Frage gestellt, worin der Sinn besteht, als Rudelführer auf ein Leckerli angewiesen zu sein und somit tagtäglich zu zeigen, dass man ohne die Leberwurst leider nicht ausreichend Autorität und Vertrauen gegenüber dem Hund aufbauen konnte, damit dieser zu einem kommt wenn man ruft, keine Mitmenschen über den Haufen rennt, brav am entgegenkommenden Rüden vorbei läuft und nicht einfach so – unaufgefordert – die Straße überquert? Was macht man, wenn man die Leckerlis vergessen hat und warum kommt der Hund eigentlich wenn ich ihn rufe? Wegen der Salami oder wegen mir und meiner Aufforderung zu mir zu kommen?

Bitte versteht mich nicht falsch – jeder darf erziehen wie er will und braucht natürlich weder (m)eine Erlaubnis, noch muss er seine Erziehungsmethode irgendwie rechtfertigen.

Für mich persönlich ist die Leckerlieerziehung – auch wenn sie so einfach ist – schlicht und ergreifend die falsche Herangehensweise an die Hundeerziehung – auch wenn ich mit meiner Einstellung und dem Ziel der leckerlifreien Hundeerziehung oft an meine Grenzen gestoßen bin und bis heute immer wieder stoße.

Aber wie bereits gesagt: mittlerweile ist die Hundeerziehung auf so viele Facetten ausgeweitet, dass eigentlich jeder eine passende Methode finden sollte – ob eine glückliche Beziehung und ein „alltagstauglicher“ Hund folgt, sei dahin gestellt…

Leider sehen das nicht alle so – ich wurde jetzt doch schon einige Male schräg angeschaut – weil ich scheinbar die „falsche Erziehungsmethode“ praktiziere. Die Hundeerziehung ist jetzt bereits so groß im Rennen, dass sogar Nichthundehalter am Nebentisch im Restaurant beurteilen können, dass ich Amon absolut falsch erziehe. Die Chance, dass sich am Nebentisch Mitmenschen befinden, die mit mir in Sachen Hundeerziehung auf gleicher Wellenlänge sind und dazu keine besserwisserischen Tipps von sich geben ist bei der Hundeerziehungsmethodenauswahl logischerweise äußerst gering. Natürlich verlange ich nicht, dass mein Erziehungsstil vom Hundehalter am Nebentisch für absolut toll erklärt wird. Im Gegenzug lasse ich ihn aber auch gerne munter weiter seine Leckerlies unter den Tisch werfen – ohne Komentar.

Was ich damit sagen will: ein bisschen mehr Toleranz würde im Bezug auf die „beste(n)“ Trainingsmethode(n) meiner Meinung nach definitiv nicht schaden. Wer mit den Taschen voller Leckerlies glücklich ist: bitteschön 🙂

Wen man mich heute mehr oder weniger (!) freundlich auf das Zurechtweisen meines Hundes anspricht – ganz nach dem Motto Wölfe machen das auch nicht so (somit definitiv nicht artgerecht!!!) und Hundeerziehung ohne Leckerli geht ja mal gar nicht– ABSOLUTE TIERQUÄLEREI. Antworte ich ohne lange Überlegungen:

Schonmal einen Wolf gesehen, der mit Leckerlies um sich wirft und klickert?“.

Die Erziehung ohne Wurststückchen scheint manch einem tatsächlich Angst einzujagen und völlig artfremd zu sein. Ich persönlich muss an dieser Stelle allerdings zugeben, dass ich tatsächlich weder Wölfe noch sonst irgendwelche Tiere beobachten konnte, die mit Nahrungsstücken um sich werfen um den Respekt ihrer Artgenossen zu erkaufen.

Versuche ich mich an dieser Stelle in den Hund hineinzuversetzten, kommt mir die Erziehung mit der Leberwursttube nahezu suspekt vor, und ich frage mich wer eigentlich auf die Idee gekommen ist, einen Deal – ganz nach dem bereits oben genannten Motto „du machst… und bekommst dafür…“ Erziehung zu nennen.


Schonmal einen Wolf gesehen…?

Am Ende frage ich mich dann immer, wieviele Hundehalter und vor allem wieviele Hundetrainer denn tatsächlich schon das Glück hatten, freilebende Wölfe zu beobachten und wer demnach wirklich beurteilen kann, was für unsere Hunde artgerecht ist.

Vanessa Julia mit Amon

14 Gedanken zu „Hundeerziehung ist einfach…

  1. Interessant
    Danke für die Infos
    Werde mein Hund wahrscheinlich auch ohne Süßigkeiten aka leckerlies aufziehen

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Liebe Vanessa 🙂

    Ich hatte jetzt endlich mal wieder zeit bei dir und Amon auf dem Blog vorbei zu schauen. Zuerst einmal: richtig interessant geschrieben! 😉

    Wie ich dir ja schon oft persönlich gesagt habe, finde ich es auch jetzt noch einfach beeindruckend, dass du noch immer zu deiner Meinung stehst und Amon Leckerli-frei erziehst! Gerade bei einer (Hundebesitzer)Gesellschaft wie du sie oben beschrieben hast.

    In sachen Erziehung ist es ja leider immer das gleiche – jeder weiß wie es geht und nur der eigene Weg ist der Richtige! Im Reitsport ist das zum Beispiel nicht anders. Ich denke, da muss einfach jeder seinen eigenen Weg für sich finden. Und dann aber auch akzeptieren, dass es auch andere richtige Wege gibt, die einem selbst vielleicht nicht zusagen würden. Diese deswegen aber keinesfalls schlechter oder gar falsch sein müssen.

    Ich freue mich schon riesig euch Beide bald wiedersehen zu können!
    Salo♥

    1. Hallo liebe Salo, vielen herzlichen Dank! Ich freue mich riesig von dir zu hören 🙂

      PS: genieß die letzten Tage – Amon und ich freuen uns auch schon mega auf deine Heimkehr ;))

  3. Ich liebe diesen Artikel!
    Deswegen werde ich ihn bei den Leseempfehlungen bei mir auf dem Blog die Woche mit vorstellen 🙂

    Hab ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Dini

    1. Vielen herzlichen Dank liebe Dini! Ich fühle mich geehrt und freue mich riesig 🙂

  4. Liebe Vanessa,

    das ist wirklich ein toller Artikel. Ich wünschte auch, es gäbe da mehr Toleranz…

    Ich selbst verwende Klicker und Leckerchen, um meinen Hunden Kunststückchen beizubringen, weil wir alle Spaß daran haben. 🙂 Mit Erziehung hat das aber meiner Meinung nach gar nicht so viel zu tun. Da sind Bindung und gegenseitiges Vertrauen viel wichtiger.

    Herzliche Grüße,
    Nora mit Mia und Kalle

  5. Huhu 🙂

    Auf die Gefahr hin, das dieser Kommie jetzt nicht freigeschaltet wird, aber ich kann nicht anders 😉

    Ich muss sagen ich bin wirklich seeehr tolerant, jeder kann und soll seinen Hund so erziehen bzw ausbilden wie er möchte, solange er sich dabei nicht in Tierschutzrelevante Gebiete begiebt.
    Es wäre ja auch unsinnig, etwas zu machen wobei man sich nicht wohl fühlt.

    Ich hätte ja eigentlich nix geschrieben, aber neiiin, da steht dann dieses Wort, und ich kann nicht anders.
    Nicht weil es böse gemeint ist, oder intollerant, nein, es ist schlichtweg falsch.

    Du vergleichst Hunde mit Wölfen, ja stimmt, irgendwann war dein Hund mal ein Wolf. Aber Wölfe, also jetzt freilebende Wölfe leben erstens nur in Familienverbänden, also Mama Wolf, Papa Wolf, und die Kinder Wolf, ausserdem geht Familie Wolf nicht Shoppen, sie fährt nicht mit dem Bus, und sie macht nicht Urlaub.

    Dein Hund ist soweit geistig entwickelt, dass es ihm mit sicherheit klar ist, dass du nicht seine Mama oder sein Papa bist, er weiss: die ist kein Hund. Blutsverwand werdet ihr nehme ich an auch nicht sein, also sind beide Kriterien für ein „Rudel“ mal mit Nein zu beantworten.

    Du und dein Hund, ihr bildet eine Soziale Gruppe, die Regeln in diesem Zusammenleben bestimmst du, und wie du sie umsetzt, also Leckerlie ja nein, oder vll einen alten Hexenzauber, ganz egal.

    Es gibt sie sicher, die die Hunde bestechen, anstatt zu trainieren. Und es gibt vll die ein oder andere alte Dame die ihrem Malteser ganz nach deiner Mutter Kind Geschichte immer gerne einen Keks reinschiebt.
    Aber die mehrzahl der Leckerliefütterer, vorallem die mit Klicker, die machen das nicht so 😉
    Aber du hast dich sicher vorher wie du sagst infortmiert, also wird das nur eine etwas überspitzte Darstellung sein 😉

    Jedenfalls wünsche ich euch alles Gute, und bleibt dran, egal an was 😀
    Lg Moni

    1. Liebe Moni, vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast vollkommen recht, Hunde sind keine Wölfe und in ihrer jahrhundertelangen Entwicklung haben sie sich ganz eigen und unabhängig vom Wolf zu dem entwickelt, was sie heute sind. Das sollte im Umgang mit Hunden meiner Meinung auch dringend beachtet werden (vielleicht kommt das im Beitrag falsch über?!)
      Wer meinen Blog schon etwas kennt, hat sicherlich bereits bemerkt, dass meine Beiträge oft – wie du schreibst – etwas Kent sind 😉

      Trotzdem lassen sich Wolfsrudel und freilebende Hunderudel in Sachen Erziehung meiner Meinung nach relativ gut vergleichen. Wie du geschrieben hast – wir sind weder blutsverwandt, noch eine natürliche Familie. Gerade deshalb möchte ich meinen Hund aber im weitesten Sinne (!!!) so erziehen, wie es ein Artgenossen tun würde oder zumindest so wie es dem -mit meinen Mitteln und Kenntnissen in unserer zivilisierten Umwelt- am nächsten kommt. Einfach, weil ich denke, dass er es so am leichtesten hat und ich ihm so am meisten Sicherheit geben kann.
      Ich muss dazu aber, wie auch im Blogbeitrag geschrieben anmerken, dass ich bis jetzt kein Wolfsrudel – oder ein Hunderudel – beobachten konnte. Vielleicht erfüllt sich dieser Traum ja einmal – dann werde ich auf jedenfall davon berichten und vielleicht eines besseren belehrt werden 😉

      Trotzdem möchte ich noch einmal anmerken: jeder hat das Recht seinen Hund so zu erziehen wie er will und so, wie es sich für einen persönlich am besten anfühlt.

      Mich würde noch interessieren, wie die Klicker- und leckerlierziehung deiner Meinung nach funktioniert – vielleicht kannst du mir das noch etwas genauer erklären 🙂

      PS: hier wurden bis jetzt alle Kommentare freigeschaltet – und ich bin (mit meinen hin und wieder recht provokanten Beiträgen) absolut offen für Kritik – ausgelernt ist schließlich nie… genau deshalb freue ich mich auch über genau solche Kommentare 😉

      Viele Grüße
      Vanessa

      1. Huhu 🙂

        Stimmt, muss ehrlich sagen, das hier war der erste Beitrag den ich von dir gelesen habe.

        Naja, also der Klicker gehört genaugenommen in die Rubrik der Positiven Verstärkung.
        Ich habe ihn schon vor Jahren im Umgang mit Pferden kennen und lieben gelernt. Der Klicker ist eigentlich „nur“ ein Marker, man könnte genauso gut „ja“ oder „Käsekuchen“ sagen. Der zeigt dem Tier einfach, DAS war richtig, gleich kommt die Belohnung. Sprich er verschafft dir etwas Zeit.
        Ein Bsp aus dem Sport:
        Ich trainiere zb Fuss gehen. Der Hund geht gut, schaut schön rauf, also greift man in den Beutel, der Hund schaut auf den Beutel, man nimmt was raus, Hund schaut auf die Hand, er bekommts.
        Genaugenommen wird der Hund für das Schauen auf den Beutel belohnt, und nicht fürs Schauen in die Augen. Mit dem Klicker klicke ich wenn er raufschaut, und dann erst greife ich in den Beutel, und der Hund kapiert, er bekommt jetzt was fürs Raufschauen.

        So, jetzt kommen wir zum zweiten, der Belohnung. Es muss keineswegs immer ein Leckerlie sein.
        Bei meinem Labbie im Training nutze ich die echt gerne, weil er es mag. Bei meinem Schweizer gehen Leckerlies vll zu Hause, aber woanders ist er zu aufgeregt. Er darf dann zb in die Beiswurst beissen und ein bissi zerren, oder er darf endlich Schnuppern, markieren, bekommt ein Lob, wird geknuddelt…
        Das nennt man dann bedürfnissorientiertes Belohnen.
        Weiteres wird das ganze (Klicker und Belohnung) ja auch abgebaut, sonst wärs ja doof 😂
        Im Turnier kann ich auch nicht Klicken, und stopfen, aber er machts trozdem 😉

        Außerdem gibts in dieser Art des Trainings keine „Bestechung“, erst wird was gemacht, und dann gibts eine Belohnung.

        Mein Problem ist nur, dass meistens Leute die gegen „Bestechung“ sind, und wollen dass ihr Hund hört weil er sie respektiert, meist auch nicht vor Strafe halt machen. Und ich finde es einfach unfair unsere Hunde zu bestrafen, nur weil sie etwas noch nicht können, oder ihnen mal die Hormone durchgehen 😉
        Das war schon damals bei den Pferden so: „die Regeln das in der Herde auch nicht nett, der Leithengst füttert die anderen auch nicht“
        Jaja, also schlage ich einfach nach meinem Pferd aus, oder lege die Ohren an und beisse es 😂
        Abgesehen davon, der Leithengst würde seine Pferde nicht dazu zwingen ohne zu Zucken an einem Mähdrescher vorbeizulaufen, nein, der würde als erster um sein, und das Leben seiner Herde, davonrennen 😉

        1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort 🙂 ich empfinde das Training mit dem Klicker trotzdem nach wie vor als eine Art „Deal“ (du tust etwas, ich klicke um zu zeigen, dass es das richtige ist und du bekommst anschließend etwas dafür). Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass diese Methode -wie du geschrieben hast als „Marker“ – für viele gut funktioniert. Bei Amon bin ich mir aber relativ sicher, dass auch das Klickern mit anschließendem Leckerli bei spannender Umgebung auf Dauer wenig Reiz besitzen würde…

          Zum Glück gibt es da ja Alternativen – unter denen sicher jeder die passende Methode (wenn auch oft auf Umwegen) findet.

          Für mich ist das Thema Strafe ein absolut heißes Thema. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Erziehung eines Hundes – wie bei uns Menschen auch – nicht nur durch positive Verstärkung funktionieren kann (ein barsches und deutliches „nein“ wenn mein Hund das Stuhlbein anknabbert ist definitiv klarer, als das ignorieren und bestärken wenn der Hund vom Stuhlbein ablässt – im gewissen Sinne fällt dies dann meiner Meinung nach zum Beispiel auch unter Strafe…)

          Viele Grüße
          Vanessa

          1. Huhu 🙂

            Na klar, jedem das Seine! Toleranz, richtig? 😉

            Naja, das Bsp mit dem Tischbein ist jetzt iwie blöd, ich habe drei Hunde, zwei seit sie Welpen sind, einen mit zwei aus dem Tierschutz. Jeder ist unterschiedlich, daher auch unterschiedliche Belohnungen.
            Keiner der drei hat bis heute versucht daran zu knabbern… ich kann mir auch keinen Grund vorstellen, der einen „normalen“ Hund dazu bringt. Ok, im Zahnwechsel vll. Da würde ich auch abbrechen (Heisst mei uns halt Ehy, statt nein) und dann eine Alternative (Kong, Beisswurst etc) anbieten.
            Wenn es jetzt ein erwachsener Hund ist, und man Zahnschmerzen ausschließlen kann, ist kauen ein Zeichen von Stress. Stress kann positiv oder negativ sein, und durch das Kauen bauen sie ihn ab. Dann müsste man beobachten, was passiert bevor er zu Kauen beginnt. Natürlich kann man auch hier Abbrechen, wobei mir immer wichtig ist, dass auch ein Abbruchsignal erlernt ist, also der Hund weiss „Stop, schau ma mal was jetzt kommt“ und nicht „scheisse gleich wird sie böse“ 😉
            Dazu ist es oft interessant zu sehen wie sich Hund und Halter verhalten wenn man einen „Köder“ auslegt, also zb eine Extrawurst. Hund bemerkt sie, und Frauli soll versuchen sie zu bekommen. Bei den meisten endet es so, dass der Hund nach dem „NEIN AUS PFUI“ hecktisch wird, und versucht die Wurst schnell zu fressen bevor Frauli kommt, manche rennen auch damit weg.
            Da erkennt man ganz gut, wie ein Aubbruchsignal aufgebaut wurde 😉
            Aber so gross brauch ich nicht reden, der Schweizer von mir würde es genauso machen, zumindest würde er kurz schauen, „jaja, komm nur, ich fang schon mal an“ und bis ich dort wär wär die Wurst weg 😉 aber wenigstens ohne Stress. Naja, er ist ja erst 1,5 und hat noch ein bisserl Zeit es zu lernen 😉

            Ein besseres Bsp wär zb die Leinenführigkeit. Was machst du, wenn zb dein Hund zu ziehen beginnt? Hilft ein Nein? Wenn ja, stresst ihn das nein? Beginnt er zu beschwichtigen? Oder reagiert er nicht, und du unterstreichst dein Nein mit einem Leinenruck?

            Apropo, das hab ich gestern vergessen, warsch kennst du es eh, aber vll auch nicht. Der Blog canisindipendicus, hier wird sehr oft über freilebende, und im Gatter gehaltene Wölfe und deren Leben berichtet.

            Liebe Grüsse und einen schönen Tag 🙂

          2. Genau – jedem das seine 😉 Den Blog kenne ich noch nicht – vielen Dank für den Tipp 🙂

  6. Hallo Vanessa,
    Finde deinen Ansatz echt super interessant und grade so Grundkommandos sollte der Hund durchführen weil der Mensch ihm was wert ist und nicht weil der Mensch ein Leckerlie in der Hand hält.
    Leider erwische ich mich öfters dabei, dass ich das Leckerlie zücke, wenn etwas nicht so klappt wie ich mir vorstelle (zB meine Hündin will nicht ins Auto springen) oder wenn ich es nicht schaffe Ihre Aufmerksamkeit so zu bekommen, um an lockerer Leine an einem Hund vorbei zu gehen .. das ist echt schade ..
    mich würde aber interessieren wie du vorgehst bei manchen Dingen? ZB Rückruf, Aufmerksamkeit wenn ein anderer Hund da ist usw. .. belohnst du mit gemeinsamen Spiel?

    Wirklich ein toller Beitrag, der zum Denken anregt!!

    Liebe Grüße
    Jessica

    1. Hallo Jessica, vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deine Ehrlichkeit 😉
      Vielleicht schaffe ich es einmal genauer auf meine „Erziehungsmethode“ einzugehen und einen ausführlicheren Beitrag darüber zu schreiben 🙂 Im Grunde genommen war für mich aber vieles einfach von Anfang an (Welpenalter) selbstverständlich (z.B. an anderen Hunden vorbei gehen, nicht dauernd kläffen…). Ich habe gelernt – und lerne immer noch – dass Amon nur dann „blöd“ reagiert, wenn ich unsicher oder nervös bin. Fängt Amon heute an, unberechtigt zu bellen, sage ich ihm bestimmt und klar, dass er dazu keinen Grund hat und er es lassen soll. Der „Trick“ besteht demnach darin sicher rüberzukommen – oder besser gesagt – sicher zu sein und sich absolut klar auszudrücken. Das ist reine übungssache! Tatsächlich spiele ich auch oft mit Amon – als Belohnung – wir haben dann beide den Spaß unseres Lebens 😀

      Trotzdem – wie im Beitrag geschrieben: auch wir haben unsere Baustellen und sind noch lange nicht am Ziel – manche Dinge müssen wir -oder besser gesagt ich- auch noch lernen 😉

      Viele Grüße
      Vanessa

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